Unsere Buchempfehlungen

Lesetipps aus dem AST

Bücher, die uns besonders gut gefallen haben – und warum.

Ritchie Girl

Empfohlen von Sigrid Bongartz
Verlag: Suhrkamp ISBN: 978-3-518-47268-5

Der Autor Andreas Pflüger hat sich beim Verweben von Fiktion mit realer Historie Freiheiten genommen. Doch vieles hat sich so oder ganz ähnlich zugetragen.

Der Roman führt uns in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zurück, zu den Nürnberger Prozessen, zu den kurz darauf stattgefundenen Amnestien verurteilter NS-Verbrecher durch einflussreiche Kreise. Eine Farce der Entnazifizierung.

Die Protagonistin Paula Bloom, in Deutschland aufgewachsen, geht während des Krieges in die USA und kehrt als Ritchie Girl, als amerikanische Besatzungsoffizierin nach Deutschland zurück. Sie zerbricht fast an ihrer Aufgabe.


Ein Roman der tief in die Abgründe der deutschen Nachkriegszeit geht.


Keine leichte Kost, doch durch die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage eine Erinnerung und Mahnung an die Nazizeit, die doch niemand mehr erleben möchte.

Anna O

Empfohlen von Sigrid Bongartz
Verlag: FISCHER Taschenbuch ISBN: 978-3-596-70896-3



Ein Thriller von Matthew Blake, der einen nicht mehr loslässt.

Seit vier Jahren liegt Anna in einem Tiefschlaf und hat ihre Augen nicht mehr geöffnet. Dr. Benedict Prince, Psychologe und Experte für Verbrechen, hat eine gewagte Theorie, wie er Anna wecken könnte. Eine Geschichte mit einer unvorhersehbaren Wendung.

Grand Hotel Europa

Empfohlen von Sigrid Bongartz
Verlag: Piper Verlag GmbH ISBN: 978-3-492-31858-7


Ein faszinierender Roman stilistisch beeindruckend mit großartigen Wortschatz und philosophischen Bemerkungen.

Interessante Gedanken und Geschichten zu verschiedenen Themen über Europa, dem Rest der Welt, zur Einwanderung und Flüchtlingsfrage. Besonders beleuchtet er Venedig und den Tourismus.

Vintage

Empfohlen von Sigrid Bongartz
Verlag: Diogenes Verlag AG ISBN: 978-3-257-07002-6

Den Roman begann ich, mangels einer nicht vorhandenen Alternative in meiner Sammlung, zu lesen. Obwohl ich weder Gitarre spiele, noch Blues höre, faszinierte mich die Geschichte und die Leidenschaft, von Thomas Dupré zu Gitarren. Auch ich war neugierig, ob es die „Gibson Moderne“ tatsächlich gibt und recherchierte um den Wahrheitsgehalt sogar im Internet. Dass der Roman mir auch noch einen Mord nicht vorenthielt, machte es für mich noch einmal spannender.

Altes Land

Empfohlen von Iris Christen
Verlag: Penguin Verlag ISBN: 978-3-328-10012-6 WG 2110

Eine junge Frau findet heraus, dass ihr Mann sie betrügt. Sie flieht mit ihrem kleinen Kind ins „alte Land“ zu einer spröden Tante, die dort seit Jahren alleine auf einem langsam verfallenden Hof lebt. Zunächst ist Vera Eckhoff wenig begeistert von den beiden Stadtflüchtlingen vor ihrer Tür. Aber sie weiß, wie es sich anfühlt, wenn das Leben dich rausschmeißt oder erst gar nicht richtig rein lässt.

Dörte Hansen ist meiner Meinung nach eine Meisterin des „Show don’t tell“. Sie erzählt uns nicht, wie die Menschen in ihrer Geschichte sind, sie zeigt es uns. Mit Bildern, mit Gesten, mit Worten. Ganz verschiedene Charaktere entstehen vor unseren Augen. Wir fangen an sie zu verstehen, sie zu mögen und beobachten, wie sie sich langsam und vorsichtig einander annähern. Eine stille, dichte und schöne Geschichte.

Eva (Verena Keßler)

Empfohlen von Isabel Terhaag
Verlag: Kein&Aber (erschien 2023) ISBN: 978-3-0369-6181-1

"[Die Leute] sind es gewohnt, dass Zukunft etwas Ungewisses ist und dass sich immer noch alles zum Guten wenden kann. Darauf hoffen sie, sie hoffen, dass die [Klima]Katastrophe einfach nicht eintritt." (S. 26)


Verena Keßler vereint in ihrem Roman die verschiedenen Perspektiven von vier Frauen zum Thema Kinder(haben) in Zeiten des Klimawandels.

Dabei bezieht sie selbst keine Stellung; in manchen Positionen findet man sich wieder, während andere teilweise vielleicht zu überspitzt wirken könnten, aber gerade dadurch auf Resonanz beim Lesen treffen.


Es ist ein unglaublich kluges Buch mit Tiefgang, das sich leicht liest und gleichzeitig zum Nachdenken anregt - und auch Monate später noch nachwirkt. 5/5 Sterne!

A Hitchhikers Guide to the Galaxy (Douglas Adams)

Empfohlen von Dirk Jansen
Verlag: Verschiedene ISBN: Verschiedene

Rezensionen unterschiedlicher Länge und humoristischer Finesse zu diesem Buch füllen ganze Ergebnisseiten von Suchmaschinen. Ich selbst habe es vor 25 Jahren das erste und seitdem unzählige Male gelesen - stets in der englischen Originalfassung, da für mich nur in der englischen Sprache der verrückt-unkonventionelle und oft überraschende Humor dieses Werks voll zur Geltung kommt. Vordergründig ist es Science-Fiction, aber der Autor gibt sich im Gegensatz zum restlichen Genre keinerlei Mühe eine wissenschaftliche Grundlage oder elegante Namen für vorkommende Technologien wie den "Infinite Improbability Drive" oder einen "Nutrimatic Drinks Dispenser" zu erfinden. Es wird kurz erklärt, welchen Effekt sie haben und sie bekommen einen Platz in einer Geschichte durch Raum und Zeit, die der Gegenwart stets einen Spiegel vorhält und liebevoll detailliert die Verrücktheit ausgetretener Pfade menschlichen Denkens zur Schau stellt.


Zu Meta?


Es ist einfach ein wundervoll verrücktes, liebevoll geschriebenes und durchgehend unterhaltsames Buch, was mich (und das ist selten) nicht selten zu lautem Lachen beim stummen Lesen bringt. Zudem ist es weder besonders dick, noch schwer, noch teuer zu erwerben bei einem der unzähligen Verlage, die es seit seiner Erstauflage 1979 veröffentlicht haben.

Lebenspfand (Robin Carminis)

Empfohlen von Sandra Röttges-Paslack und Marcus Meisenberg
Verlag: neobooks ISBN: 978-3748529088

Zu Unrecht wird Science-Fiction meist mit bösen Aliens und Schlachten im Weltall verbunden. Doch dafür steht "Wissenschaftliche Fiktion" eigentlich nicht. Sandra Röttges-Paslack und Marcus Meisenberg erzählen unter ihrem Pseudonym Robin Carminis eine andere Art von Utopie. Die zentrale Frage, der im Roman nachgegangen wird, lautet: Wie weit würdest Du gehen? Reisen durch die Zeit – möglich oder unmöglich – und welche Konsequenzen hätten sie? Kann man seinen eigenen Lebensweg beeinflussen? Durch den Fund einer Zeitmaschine eröffnet sich dem selbstmordgefährdeten Versager, Gerry Jester, die zweifelhafte Chance, mit Hilfe einer Reise in die Vergangenheit die eigene Familientragödie und somit sein verpfuschtes Leben zu korrigieren. Doch in der Zukunft ist man nicht daran interessiert, dass die Vergangenheit verändert wird. Gegenmaßnahmen werden eingeleitet.

Todesengel (Andreas Eschbach)

Empfohlen von Sandra Röttges-Paslack
Verlag: Lübbe Verlag ISBN: 978-3-404-17238-2

Die Geschichte beginnt in einer U-Bahn-Station. Zwei Jugendliche zerstören eine Sitzbank. Ein Rentner greift beherzt ein, um das Gemeineigentum zu retten. Sie prügeln ihn krankenhausreif. Sie hätten ihn umgebracht, wenn nicht ein Wunder geschehen wäre. Ein Wunder in Form eines weiß leuchtenden Schutzengels. Mit zwei Pistolen. Ein Todesengel. Ab hier werde ich eingesogen in den offenen Schlagabtausch der gegensätzlichen Standpunkte zum kontroversen Thema Zivilcourage. Ich erlebe eine Gesellschaft im Clinch, gespalten zwischen Sympathie für Selbstjustiz und Respekt für Selbstverteidigung, zwischen Hass, Angst und Ohnmacht. Brandaktuell. Wer hat sich nicht schon einmal DIE Frage gestellt. Wäre ich feige abgehauen oder hätte mutig eingegriffen? Die gelebte Antwort auf diese Frage kann zu Auftritten bei Stern TV, der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes oder dem eigenen Tode führen. Alles bereits dagewesen. Andreas Eschbach spielt literarisch gekonnt und emotional aufwühlend die Klaviatur der Wut- und Mutbürger. Seine Figuren üben offen Kritik an staatlichen Versäumnissen, parteiischer Berichterstattung, skrupellosen Verbrechern und trügerischem Selbstschutz. Die klassischen Rollen der Opfer und Täter werden aufgeweicht und verstörend durcheinandergebracht. Wer ist hier das Opfer? Darf ein Opfer sich wehren? Die öffentliche Diskussion um mildernde Umstände für gewissenlose Täter und die Verurteilung wehrhafter Opfer entfacht in mir einen inneren Disput. Der Hauptdarsteller, Journalist Ingo Praise, gerät bei seinen Recherchen in einen Strudel aus trügerischem Medienhype und ehrlichem Engagement. Sein Gewissenskonflikt prägt die Stimmung des Buches und wird zu guter Letzt sein Verhängnis. Der Todesengel mutiert zum Platzhalter für radikale Selbstjustiz. Mein Fazit, es kann jeden jederzeit treffen. Hoffentlich schaut dann jemand hin. Ein tolles Buch, das mich nachdenklich macht und wachrüttelt.

Das Rosie-Projekt (Graeme Simsion)

Empfohlen von Marcus Meisenberg
Verlag: FISCHER Krüger ISBN: 978-3810519511

Don Tillman will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: Mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist. Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Offensichtlich ungeeignet. Aber Rosie verfolgt ihr eigenes Projekt: Sie sucht ihren biologischen Vater. Dafür braucht sie Dons Kenntnisse als Genetiker. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik. Warum mir das Buch gefällt? Gute Frage. Schließlich lese ich in der Regel keine Liebesgeschichten. Diese hier ist aber unkonventionell und läuft auch nicht nach Schema F ab. Ein Buch zum Schmunzeln und zum Wohlfühlen.