Weihnachts-Tourette
Ein Text von Marcus Meisenberg - 10.11.2025
Auf einer studentischen Weihnachtsveranstaltung mit vielen Gästen.
Gisela: Herr Professor, Herr Professor! Hier drüben! Ach bitte, kommen Sie doch einmal zu uns!
Professor: Gern, Frau Behrens. Aber bitte keine Fragen zur Semesterarbeit. Nicht heute Abend.
Gisela: Nein, nein, Ich bitte Sie. Aber Sie wissen ja, dass ich schon ein wenig älter bin als ihre anderen Studenten, nicht wahr?
Professor: (charmant) Tatsächlich, dabei sehen Sie kein bisschen älter aus als zwanzig.
Gisela: (geschmeichelt) Sie alter Charmeur. Sie wissen doch ganz genau, dass ich bereits verheiratet bin.
Professor: Natürlich. Daher nehme ich an, dass dieser Herr an ihrer Seite auch ihr Gemahl ist, nicht wahr?
Gisela: Ja, ganz genau. Darf ich Ihnen meinen Mann Patrick vorstellen. Patrick, das ist Professor Siemers, mein Literaturprofessor.
Professor: Freut mich, Herr Behrens! Ihre Gemahlin ist bei mir im ...
Patrick: ZUCKERSTANGE!
Professor: Wi ... wie bitte?
Gisela: (erschrocken) Oh nein, nicht schon wieder! (zuredend) Bitte beruhige dich, Patrick! Der Herr Professor ist sehr nett.
Patrick: TANNENGRÜN!
Professor: Was ... was ist denn mit Ihrem Mann?
Gisela: Sie müssen ihn bitte entschuldigen, Herr Professor! Immer wenn er nervös ist, bekommt er einen Rückfall.
Professor: (unsicher) Einen Rückfall? Was … was denn für einen Rückfall?
Patrick: ADVENTSKRANZKERZEN!
Gisela: Er leidet unter einem temporären Tourette-Syndrom.
Professor: (verwirrt) Temporären Tourette? Sie meinen, dieses Syndrom, bei dem man gezwungen ist, übelste Schimpfworte auszusprechen?
Patrick: SPEKULATIUS!
Gisela: (tadelnd) Patrick, ich bitte dich! (erklärend) Es ist nicht ganz so schlimm, wie es sich anhört, Herr Professor. Mein Mann leidet in solchen Momenten, unter Weihnachts-Tourette. Anstelle von Vulgärausdrücken, stößt er lediglich weihnachtliche Begriffe aus.
Professor: (leicht schockiert) Du meine Güte. Das muss aber sehr belastend für Sie beide sein. Aber ich versichere Ihnen, meinetwegen müssen Sie nicht nervös sein. Ich bin völlig harmlos.
Patrick: TANNENBAUM!
Gisela: Oh, je. Ich denke, wir gehen besser einen Moment an die frische Luft. Das beruhigt die Nerven. Meinst du nicht auch, Liebling?
Patrick: GESCHENKPAPIER!
Professor: Vielleicht ... ähm ... ist das eine gute Idee.
Gisela: Komm Liebling! Wir gehen jetzt erst einmal raus und sprechen den Professor vielleicht nachher noch einmal an.
Patrick: FESTTAGSBRATEN!
Gisela und Patrick Behrens verlassen den Veranstaltungsraum. Der Professor bleibt zurück und schaut ihnen nach.
Professor: Oh je. Sachen gibt‘s. Arme Frau Behrens. Das erklärt so einiges. Was für eine tapfere Frau.
Gisela und Patrick Behrens sind mittlerweile draußen angekommen und unterhalten sich unter vier Augen.
Patrick: Und, was meinst du? Hat er es mir abgekauft?
Gisela: Oh ja, Du warst sehr überzeugend, Liebling.
Patrick: Dann hoffen wir jetzt mal, dass er vor lauter Mitleid beide Augen zudrückt, was deine missratene Semesterarbeit angeht.
ENDE